Leitbild und Konzeption der Singschule Halle (Saale)

Das Leitbild der Singschule Halle erwächst der Idee der Persönlichkeitsentwicklung durch musikalische Förderung.

 

Leitbild

 

Kompetenzen und Ziele

 

Die generationenübergreifende Gemeinschaft aus MusikerInnen und SchülerInnen bietet Raum für die freie und umfassende Entfaltung und Förderung. Dieser Raum ist geprägt von einer freudvollen singenden Gemeinschaft, die mit gegenseitigem Respekt den offenen Austausch und die lebenslange Entwicklung von Persönlichkeiten ermöglicht. Traditionelle und moderne Formen der musikalischen Pädagogik vereinen sich dabei mit modernen didaktischen Möglichkeiten der Persönlichkeitspsychologie.

Hierdurch erreicht die Singschule Halle mit Kindern und Jugendlichen eine strukturierte und freie Entwicklung ihrer menschlichen, moralischen wie musikalischen Identität. Ebenso können Erwachsene hier einen Ort der Fortbildung und Weiterentwicklung finden. Eine kontinuierliche und offene Kommunikation und die Integration der verschiedenen Persönlichkeiten ermöglichen eine beständige Ausgestaltung der Werte und didaktischen Konzepte der Singschule.

Unter Wahrung der gemeinschaftlich wie individuell erreichten Kompetenzen trägt die Singschule die Ergebnisse ihrer Arbeit nach außen. Damit gestaltet sie ihr kulturelles Umfeld mit und trägt ein Bild der Region in die Welt.

Die Kulturpflege durch eine professionelle Musikschule bedeutet, eine musikalische Heimat zu sein. Durch den Schritt in die Öffentlichkeit wird die Kulturlandschaft zu einem Ort der Auseinandersetzung über alle Aspekte des kulturellen Miteinanders gestaltet.

 

MitgliederInnen

 

Im Vordergrund stehen die SängerInnen, welche ein umfassendes Angebot der fachlichen Qualifikation vorfinden.

Der duale Aufbau aus Einzel- und Gruppenunterricht ermöglicht neben der individuellen auch eine gemeinschaftliche Ausbildung besonderer Kompetenzen, die nur in der Chorarbeit erworben werden können.

Hieran lehnt sich die Idee der musikalischen Früherziehung und Eltern – Kind-Gruppe an. Bereits im Kleinkindalter erleben die Kinder dabei sich und andere bei der musikalischen Arbeit und entwickeln ebenfalls soziale Kompetenzen.

In den Singklassen der verschiedenen Altersstufen werden die erworbenen Fähigkeiten in zunehmend komplexeren musikalischen Werken zum Ausdruck gebracht, begleitet von einer individuellen Förderung. Weitergeführt und begleitet wird die Entwicklung dann im Kinderchor (Konzertchor), der das Zentrum der Singschule bildet, und dem Mädchenchor.

Der gemischte Chor ermöglicht dann die kontinuierliche Arbeit mit der Stimme und das Erlebnis der Freude am Singen in Gemeinschaft für Erwachsene.

Mit dem Lehrerchor der Stadt Halle e.V. besteht eine feste Kooperation. Die Proben finden in gemeinschaftlich genutzten Räumen. Weitere Informationen unter www.lehrerchor-halle.de .

Regelmäßig finden Chorlager für Singklassen, Konzertchor, und gemischten Chor statt. Die Stimmbildung begleitet die Chorarbeit und bietet den SängerInnen die Möglichkeit, die eigene Stimme und sich selbst wahrzunehmen und einen positiven Umgang damit zu entwickeln. Eine Stimmbildung unabhängig von der Chorarbeit ist ebenso denkbar.

Für MusikerInnen während und nach der Aus- und Weiterbildung bietet sich die Chance, in individuellem Ausmaß Teil an der pädagogischen Gestaltung zu nehmen. Auf Honorarbasis wie auch in fester Anstellung findet sie hier einen besonderen Ort der Lehre und fachlichen Qualifikation.

Die Singschule fördert nicht nur eine ganzheitliche Betrachtung jedes Individuums. Gleichzeitig stehen ihre Angebote jedem offen, der bereit ist, sich entsprechend seiner Möglichkeiten einzubringen. Die Angebote sind dabei nicht an Herkunft, Alter oder sonstige soziale Voraussetzungen gebunden.

Menschen mit dem Wunsch und Bedürfnis nach Gesang und Sozialisation im Chor oder dem Wunsch und Bedürfnis Kultur zu rezipieren, finden als Mitglieder der Singschule oder beispielsweise als ZuhörerInnnen in Konzerten eine breite Palette an Möglichkeiten.

 

Organisatorische Struktur und Bewegung

 

Getragen vom Gedanken der gemeinsamen Gestaltung und Entwicklung der Singschule gibt der Trägerverein Singschule Halle (Saale) e. V. gemeinsam mit der künstlerischen Leitung eine professionelle Organisationsstruktur vor.

Aus institutioneller Förderung, Mitgliedsbeiträgen, Spenden und den Einnahmen aus Veranstaltungen wird eine angemessene und effiziente Verwaltungsstruktur finanziert, beständig unterstützt von der ehrenamtlichen Mitarbeit von SängerInnen und UnterstützerInnen. Alle Mitglieder distanzieren sich von kommerziellen Absichten wenngleich eine leistungsgerechte Bezahlung und faire Behandlung der nicht ehrenamtlichen MitarbeiterInnen ebenfalls Grundlage des Handelns ist.

Zur Gestaltung von Musik und Organisation kooperiert die Singschule mit KünstlerInnen, regionalen und überregionalen Kultureinrichtungen, privaten wie unternehmerischen Förderern und Einrichtungen der kommunalen Verwaltung. Die Förderung erstreckt sich von ideellen über organisatorische zu finanziellen Leistungen. Eine klare und kontinuierliche Kommunikation unter den Kooperationspartnern wie auch in der Außendarstellung ist für die Singschule wesentlicher Teil ihrer Arbeit.

Grundsätze sind dabei die Freiheit der künstlerischen Arbeit und Gestaltung und die Bereitschaft zur Leistung in der und für die Gemeinschaft und sich selbst. Einen besonderen Wert legt die Singschule auf die Sorgfalt im täglichen Handeln. Mehr noch als durch die Konzentration auf ein Ziel, wird so beständig eine Qualität in der Arbeit erreicht und das Niveau der Qualität hinterfragt.

Eine ständige Leidenschaft für die Musik und die Entwicklung prägen die Singschule und laden zum Mitgestalten ein. Das gemeinsame Ziel ist, dass wir uns kontinuierlich aufeinander und uns selbst einlassen, denn Chor ist mehr als Singen.

 

Konzeption

 

Musikalische Früherziehung und Grundausbildung

Die musikalische Früherziehung richtet sich an Kinder im Vorschulalter zwischen ein und sechs Jahren. Ziel der musikalischen Früherziehung ist es, den Kindern einerseits über die Bildungsbereiche Hören, Singen und Sprechen und andererseits über Musizieren, Improvisieren, Bewegen und Tanzen auf spielerische Art einen erlebnishaften Einstieg in die Welt der Musik zu geben.

Durch die spielerische Beschäftigung mit den Elementen der Musik soll der junge Mensch sein eigenes Verhältnis zur Musik finden. Dabei werden alle Bereiche des Intellekts gefordert und nicht zuletzt dadurch gefördert.

Das Spielen -die Haupttätigkeit von Kindern- ist nicht nur Grundlage für Lern- und Bildungsprozesse, sondern müheloses lernen an sich. So stellt die musikalische Früherziehung an sich nichts weiter dar, als ein zielgerichtetes Spielen, fern ab von jeglichem Lernstress, der die Kinder mit zunehmendem Alter ohnehin schon erwartet. Dieses spielende erlernen von Musik ist so wirkungsvoll, weil es aus einem inneren und somit eigenem Antrieb heraus geschieht.

In der musikalischen Früherziehung lernen die Kinder die Welt der Klänge kennen und das Gehör wird sensibilisiert. Der Fünftonraum (C bis G) wird erkundet. Die Singstimme kommt hier in erster Linie zum Einsatz. Die Kinder sind nach einer gewissen Zeit in der Lage einfache Melodien mit Fünf-Ton-Raum zu singen und zu spielen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf den rhythmischen Zusammenhalt in der Gruppe gelegt. Die Musikalische Früherziehung endet mit dem Eintritt in die Schule.

Musikalische Früherziehung, Kind/Elterngruppe (1.-3. Lebensjahr):

– 1 Jahreswochenstunde á 30 Minuten

Musikalische Früherziehung (3.-6. Lebensjahr):

– 1 Jahreswochenstunde á 45 Minuten

 

Die Chorausbildung

Die positiven Auswirkungen in der praktischen Auseinandersetzung mit Musik sind mittlerweile bekannt und werden von zahlreichen Studien bestätigt. Aber durch das Singen im Chor werden wohl die meisten sozialen Kompetenzen bei den Kindern und Jugendlichen entwickelt.

Im Chor treffen Kinder und Jugendliche aller Schulformen und sozialer Schichten aufeinander. Sie lernen dabei, wie wichtig das verantwortliche Miteinander von unterschiedlichen Altersgruppen, das Anerkennen unterschiedlicher Konfessionen und Weltanschauungen, das Recht jedes einzelnen auf seine eigene Meinung, Toleranz und gegenseitige Achtung sind.

Durch ein gemeinsames Ziel, das nicht durch einen persönlichen finanziellen oder materiellen Anreiz motiviert ist, wird Teamfähigkeit, Motivation und Eigeninitiative entwickelt. Dies wirkt sich nicht nur auf die künstlerischen Leistungen des Chores, sondern später auch auf berufliche und private Lebensbereiche aus. Die Singschule strebt an, durch das gemeinschaftliche Musizieren vom Kleinkind- bis zum Erwachsenenalter generationsübergreifende Lern- und Erziehungsprozesse anzuregen.

Das Ziel ist die Entwicklung einer ganzheitlichen musikalischen Persönlichkeit mit einer fundierten Ausbildung der Singstimme. Zusätzlich dazu sollen Notenschriftlesefähigkeit, Gehörbildung, Harmonielehre, Improvisationsfähigkeit und Kenntnisse in Stilistik und Musikgeschichte vermittelt wird.

Die ganzheitliche musikalische Entwicklung erfolgt durch die Wechselwirkung von individueller Vokalausbildung und Gemeinschaftsmusizieren in den verschiedenen Chören.

Die Chorausbildung beginnt als musikalische Grundausbildung in so genannten Singklassen in vier Stufen:

 

Singklasse 1: Erarbeiten einfacher Lieder, Gehörbildung, Solmisation und rhythmische Erziehung

  • 1 Jahreswochenstunde. á 45 Min. (Chorprobe)

Singklasse 2: Erarbeiten von Liedern mit leichter Mehrstimmigkeit, Gehörsbildung, Solmisation und rhythmische Erziehung, erste Auftritte

  • 1 Jahreswochenstunde á 45 Minuten Chorprobe und
  • 1 Jahreswochenstunde á 45 Minuten Solfeggien (Kombination aus Musiktheorie und Blattsingen)

Singklasse 3: Erweiterung der sängerischen Fertigkeiten durch Stimmbildung, Erarbeiten von Chorliteratur, Musiklehreunterricht

  • 1 Jahreswochenstunde á 45 Minuten Solfeggien
  • 1 Jahreswochenstunde. à 60 Minuten Chorprobe
  • 1 Jahreswochenstunde Stimmbildung variable Zeit

Singklasse 4: Schwerpunkt Stimmbildung, Vorbereitungschor und Musiklehreunterricht im altersgerechten und höherem Schwierigkeitsgrad

  • 1 Jahreswochenstunde á 45 Minuten Solfeggien
  • 1 Jahreswochenstunde à 60 Minuten Chorprobe
  • 1 Jahreswochenstunde Stimmbildung variable Zeit

Die Schüler der Singklassen werden im Rahmen der Möglichkeiten bei Chorlagern mit ein-gebunden. Der Besuch der Singklassen schafft die Voraussetzungen für die Mitwirkung in hauptsächlich drei Chorformationen.

Konzertchor:

Der Konzertchor ist ein gleichstimmig ein- bis vierstimmig singender Kinderchor. Er pflegt die Kinder-bzw. Frauenchorliteratur aller Musikepochen. Für eine Mitwirkung in diesem Chor werden durch die Chorleitung im Einvernehmen mit den StimmbildnerInnen Leistungsvoraussetzungen festgelegt und geprüft.

Um die hohe Qualität und Leistungsfähigkeit zuverlässig zu sichern, ist eine regelmäßige Teilnahme an den Proben und Auftritten verbindlich. Die Teilnahme ist bis 16 Jahren möglich.

  • 2 Jahreswochenstunde á 60 Min. Chorprobe
  • 1 Jahreswochenstunde à 45 Min Stimmbildung Solfeggien
  • 1 Jahreswochenstunde Stimmbildung, variable Zeit

Mädchenchor:

Beginn einer leistungsorientierten Chorausbildung unter Einbeziehung von Stimmgruppenarbeit, individueller Stimmbildung und Musiklehre sowie Mitwirkung bei öffentlichen Auftritten und Konzerten.

  • 1 Jahreswochenstunde á 90 Minuten Chorprobe
  • Stimmbildung fakultativ

Gemischter Chor:

Für alle Mitglieder des Konzertchores und andere interessierte Jugendliche und Erwachsene besteht die Möglichkeit, unter gegebenen Voraussetzungen im Gemischten Chor mit zu singen. Der gemischte Chor singt gemischtstimmig. Er pflegt hauptsächlich die Konzertliteratur aller Musikepochen und Stilrichtungen.

  • 1 Jahreswochenstunde á 90 Minuten
  • Stimmbildung fakultativ

Chorlager:

In allen drei Chorformationen werden ein- bis zweimal jährlich Intensivprobenphasen (Chorlager) durchgeführt. Die diesbezügliche pädagogische Kernarbeitszeit ist in den oben angeführten Jahres Wochenstunden eingerechnet.